Stimme und Transidentität

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Svenja
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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Svenja » 06.11.2018, 14:14

Hallöchen ihr Lieben!

Vielen Dank für die vielen Infos, die Soundfiles und das Video.
Die operierte Stimme klingt tatsächlich weiblich, ganz leicht heiser. Ich hätte nicht so ein gutes Ergebnis erwartet. :)

Meine Stimme ist in den letzten Monaten ein kleines bisschen tiefer geworden, aber in einem Bereich wo mich dass Sprechen nicht anstrengt.
Es ist sozusagen meine natürliche weibliche Stimme. Sie hat sich durch nichtübertriebenes Stimmtraining und vor allem meine (fast) tägliche Arbeit in der Pflege entwickelt. Dort singe ich auch des öfteren, was nicht schadet.

Wenn ich den Mund auf mache kommt diese Stimme heraus. Ich muss da nicht nachdenken oder erst den Kehlkopf in Stellung bringen. Egal ob mitten in der Nacht, morgens nach dem Aufstehen oder irgendwann am Tage, meine Stimme ist so.

Witzigerweise denke ich sogar mit dieser Stimme.
Das war nicht immer so. Anfangs sprach ich zwar höher, dachte aber noch mit der alten Stimme (hoffe ihr wisst was ich meine).
In Träumen ertappe ich mich schon mal mit der alten Stimme.

Ich hatte 30 Dreiviertelstunden Sitzungen bei der Logopädin, über etwa 1,5 Jahre verteilt.

Meine Hausaufgaben, sprich Training habe ich oft schleifen lassen. Da ich jedoch viel mit Menschen spreche, habe ich dann wohl doch genug Übung.
Inzwischen ist meine Stimme auch lauter geworden, was bei der Arbeit wichtig ist.

Meine Stimme ist nicht immer perfekt weiblich. Durch meinen Beruf spreche ich allerdings sehr viel und werde von meinem Seniorinnen und Senioren in die richtige Schublade gesteckt. Meine Kolleginnen haben auch noch nie etwas über meine Stimme gesagt und ich habe niemandem verraten, dass sie mal anders war.
Wir haben zwei blinde Bewohnerinnen, denen ich mich nicht sofort als weibliche Person vorgestellt habe. Sie kannten anfangs nur meine Stimme. Sie sprechen mich trotzdem von Anfang an als "Schwester", "Fräulein" oder "junge Frau" an.

Inzwischen kann ich sogar "weiblich Husten und Niesen" und spontan weiblich lachen. Hihihii :D

Ja, das klingt vielleicht komisch, aber Anfang diesen Jahres hatte ich immer Angst mich beim Husten zu verraten, weil da immer die alten Resonanzen zu hören waren.

Ob und wieviel die HET einen Anteil an meiner Stimme hat, kann ich nicht sagen. Möglicherweise wirkt sich die Hormontherapie indirekt irgendwie auf die Stimme aus?
Ohne (tägliches) sprechen wird eine Transfrau ihre Stimme aber nicht entwickeln können, denke ich.
Und ich denke, dass das Rauchen ganz schlecht für die Stimme ist.

Ganz wichtig sind freie Stimmbänder, damit die Stimme sauber und nicht heiser klingt. Dafür huste ich ordentlich, falls Schleim drauf ist. Räuspern ist nicht so gut.
Ganz wichtig ist viel zu trinken, wenn man viel spricht. Da steht bei mir Wasser an erster Stelle.

Wenn ich zur Arbeit fahre schreie ich öfter im Auto. Nicht nur, weil mich andere Autofahrende dazu bringen, sondern um meine Stimme auf die Arbeit vorzubereiten. :D


Zum Schluss gibt es eine kleine Hörprobe. Meine Stimme ist zurzeit etwas kratzig, weil ich ein bisschen erkältet bin.

Mein "Zwillingsbruder" spricht bei etwa 120 Hz, während ich bei ca. 160 Hz spreche.
Svenja-Nordwind_und_Sonne.mp3
Liebe Grüße,
Svenja
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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Britt » 06.11.2018, 20:02

Britt hat geschrieben:
06.11.2018, 08:16
Hi Mel,
ich habe auch gerade mal mit meinem Tablett eine Aufnahme gemacht und auf diese Seite hochgeladen. Klingt nicht ganz wie bei dir nach der OP, aber für das Telefon reicht es allemal.

Link zum Soundfile


Allerdings wer weiß worauf man achten muss, der erkennt trans.
Britt

PS: Irgendwie stelle ich mich auch zu blöd an das ganze als link einzubinden. (Das Leerzeichen ist zuviel)
https: //vocaroo.com/i/s0jzKUAVgglo
 ! Nachricht von: Ava
Ich hab's repariert - nun mit Link. [happy/smile.gif] Im Menü des Text-Editors gibt es ein Symbol, bestend aus einer Weltkugel und einem Kettenglied. Damit kann man Links einbauen.
Vielen Dank Ava,
ich habe es gefunden.

Für den Fall, dass jemand die Datei dort nicht öffnen kann, habe ich die Datei wie Svenja noch einmal angehangen.
Datensatz_2018-11-06_07-24-55.mp3
Liebe Grüße,
Britt
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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von melanie g » 06.11.2018, 20:13

Stimme kann ein richtiger Passingkiller sein!

Mein Problem war, ich hatte schlicht und ergreifend zu wenig Zeit für Logopädie und ich fand es immer extrem anstrengend auf die Stimme zu achten. Ich musste mich sehr konzentrieren um den richtigen Einsatz zu haben. Spontan die Stimme einsetzen? Ging nicht!

Nach der OP ist es genau umgekehrt. Mit meiner derzeitigen Stimme kann ich mein aktuelles Passing unterstreichen. Ich brauche nicht überlegen sondern einfach drauf los reden. Ich setze die Stimme dadurch auch viel öfter ein. Klar klingt meine Stimme immer etwas heiser, auch leiser bin ich geworden. Ich bin aber auch keine 20 mehr und die Stimme passt zu mir, so das Feedback. Wenn das Thema heiser kommt, dann sage ich dass eine OP an den Stimmbändern gab (aber nicht was genau gemacht wurde), das reicht völlig als Erklärung. Eigentlich ist die OP alleine nicht ausreichend, es müsste weiterhin Logopädie gemacht werden. Ich schaffe das aktuell nur nicht, ich arbeite Vollzeit, habe einen Nebenjob mit dem ich mein Fernstudium finanziere und mein Sohn (13) wohnt auch bei mir, da musste ich Prioritäten setzen.

Ich bereue die OP nicht!

Mel

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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Svenja » 07.11.2018, 13:37

melanie g hat geschrieben:
06.11.2018, 20:13
Mein Problem war, ich hatte schlicht und ergreifend zu wenig Zeit für Logopädie und ich fand es immer extrem anstrengend auf die Stimme zu achten. Ich musste mich sehr konzentrieren um den richtigen Einsatz zu haben. Spontan die Stimme einsetzen? Ging nicht!
Hallo Mel,

der Zeitfaktor ist wirklich ein Problem, wenn man schon einen ausgefüllten Tag hat.
Ich hatte das Glück während meiner Selbständigeit mit der Logopädie starten zu können.
In meiner jetzigen Beschäftigung bin ich dann einfach so, mit der neuen Stimme aufgetaucht.
Da ich jetzt das Training schlecht mit den Arbeitszeiten vereinbaren kann, habe ich vorerst mit den Sitzungen aufgehört.

Mein HNO hat mir Frau Prof. Dr. med. habil. Kerstin Hoffmann http://www.klinikum-weimar.de/web/de/co ... 5&menuID=4 in Weimar empfohlen.

Hier ist in Zeitungsartikel über ihre Arbeit:
https://www.tlz.de/web/zgt/leben/detail ... 1298926193
Dass sie "Männern hilft, Frauen zu werden" sollte man hier mal außen vor lassen. :)
(Eben konnte ich den Artikel noch lesen, jetzt hat er eine Bezahlschranke. :( )


Ehrlich gesagt habe ich zu viel Angst vor möglicherweise keiner Stimme, nach der OP.

Dein Beispiel zeigt, dass es sehr wohl funktioniert. :)

Liebe Grüße,
Svenja


Hallo Alle!
Habe gestern eine Aufnahme meines "Zwillingsbruders" von 2010 gefunden. Bin selber etwas erschrocken. :D
Zwillingsbruder_Stimme_2010.mp3
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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Britt » 09.11.2018, 01:34

melanie g hat geschrieben:
06.11.2018, 20:13
Stimme kann ein richtiger Passingkiller sein!
Korrekt,
das war auch der Grund, warum ich als ich noch in der männlichen Rolle rumgelaufen bin, schon an meine Stimme gearbeitet hatte. Die soziale Rolle zu wechseln solange ich sofort an der Stimme erkannt werde, war für mich unvorstellbar.

Prinzipiell war ich einer Stimmband OP nie gegenüber abgeneigt. Es ist nur so, dass ich so viele negative Resultate gehört habe, dass ich der Meinung bin, wenn man in Deutschland eine OP macht, spielt man russisches Roulett mit den Stimmbändern. Während ich bei der GaOP noch der Meinung war, das es vielleicht drei Chirurgen darauf haben, stand für mich sofort fest das ich nur eine Stimmband OP in Korea mache. Inzwischen soll es wohl einen Chirurgen in Deutschland geben der nach der Methode von Dr. Kim operiert. Damit habe ich mich aber noch nicht näher beschäftigt.
Da ich es mit der Stimme halbwegs ohne OP geschafft habe, waren für mich andere Dinge wichtiger. Auf Platz . waren meine abgekauten Zähne (28 Kronen). Auf Platz 2 die FFS (hier habe ich aber nur die Seitenansicht machen lassen – Für die Frontansicht war das Budget zu klein; auch wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ob die KK eine Brustaufbau zahlt)

Jedenfalls denke ich immer noch über eine Stimmband OP nach. Ob ich bei meinem Gesicht noch einmal die Frontansicht machen lasse (Wangenknochen; Kieferknochen) kann ich nicht sagen. Anfangs wollte ich es immer derzeit geht es mehr Richtung nein. Der Hammer währe in meinen Augen noch einmal eine gefahrlose Fuß OP.
Jetzt kommt aber erst einmal mein Brustaufbau. Danach die zweite Korrektur OP. Da tickt die Uhr; die sind beide nur noch für 5 Monate von meiner KK genehmigt. Mal gucken vielleicht habe ich danach auch die Schnauze von den OPs voll.

Den Zeitfaktor für die Logopädie fand ich übrigens nicht so schlimm. Ich war letztes Jahr ein viertel Jahr lang zweimal die Woche wegen meiner Schuppenflechte zur Behandlung, dazu kamen zwei Sitzungen Nadelepi. Da fallen 45 Minuten Logopädie kaum ins Gewicht.
Mich zuhause hingesetzt und gelernt für die Logopädie habe ich nie. Geübt habe ich nur, wenn ich unterwegs und allein war. (und ich daran gedacht habe) Ich habe aber allerdings immer versucht das gelernte täglich bei der Sprache anzuwenden.

Liebe Grüße,
Britt

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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von melanie g » 09.11.2018, 10:32

Svenja hat geschrieben:
07.11.2018, 13:37

Mein HNO hat mir Frau Prof. Dr. med. habil. Kerstin Hoffmann http://www.klinikum-weimar.de/web/de/co ... 5&menuID=4 in Weimar empfohlen.

Hier ist in Zeitungsartikel über ihre Arbeit:
https://www.tlz.de/web/zgt/leben/detail ... 1298926193
Dass sie "Männern hilft, Frauen zu werden" sollte man hier mal außen vor lassen. :)
(Eben konnte ich den Artikel noch lesen, jetzt hat er eine Bezahlschranke. :( )
Hallo Svenja,

Hoffmann macht aber eine andere Variante wo nur der Schildknorpel in der oberen Stellung befestigt wird. Das soll, so die Aussage vieler sehr unnatürlich klingen, außerdem soll es im laufe der Zeit wieder schlechter werden da sich die Fäden im Knorpel einschneiden. Großer Vorteil, die OP ist relativ problemlos wieder rückgängig zu machen.

Nawka hat bei mir ja eine Glottoplastik gemacht, wobei sogar die Fachliteratur vor unbefriedigenden Ergebnissen warnt. https://books.google.de/books?id=lP1TBQ ... ik&f=false

Mel

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