Stimme und Transidentität

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Britt
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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Britt » 03.10.2018, 14:39

Hallo Franziska,
schade dieses Tool scheint es nur für Apple zu geben.
Habe es gefunden (Stimme Analytiker)
https://itunes.apple.com/de/app/stimme- ... 45213?mt=8

Ich habe aber ein Samsung Telefon.
Bei Google gibt es auch ein App „Stimmanalyse“. Das ist aber Bullshit. Sagt dir ob deine Stimme männlich oder weiblich klingt. Geht aber nur über die Tonhöhe.

Ich habe die Tools „Pitchlab Pro“ und „SpectralPro Analyzer“ verwendet. Beide Tools gibt es abtgespeckt auch als freie Version.
https://itunes.apple.com/de/app/pitchla ... 50624?mt=8
https://play.google.com/store/apps/deta ... ralviewpro
(Das 1. App ist ist original ein Guitar Tuner - habe ich nicht mehr im Google Store gefunden.)

Pitchlab.png
Pitchlab: Man kann den Twain (Oberton) bei 240 Hz neben dem Grundton von 160 Hz deutlich erkennen.
SpectralPro.png
SpectralPro: Auch hier kann man die Obertöne deutlich im Spektrogramm erkennen.

Leider kann man bei beiden Tools keine Aufnahmen speichern.


Das beste Toll welchers ich von dieser Art kenne ist VoicePrint von Estill.
https://www.estillvoice.com/products/
mit 70$ nicht gerade preiswert. Leider gibt es dieses Programm nur für Apple und Windows.
Ich selbst habe das Programm nicht. Dies liegt aber daran, dass ich nur einen Desktop PC besitze, welcher zur Sprachaufzeichnung ungeeignet ist.

Liebe Grüße,
Britt
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Britt
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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Britt » 03.10.2018, 14:46

Britt hat geschrieben:
03.10.2018, 14:39
Der Dateianhang Pitchlab.png existiert nicht mehr.
Pitchlab: Man kann den Twain (Oberton) bei 240 Hz neben dem Grundton von 160 Hz deutlich erkennen.

SpectralPro: Auch hier kann man die Obertöne deutlich im Spektrogramm erkennen.
SpectralPro.png
Irgendetwas war schief gelaufen. Oben ist Pitchlab. Hier noch das Bild von SpectralPro.

Britt
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Cornelia
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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Cornelia » 04.10.2018, 11:55

Nochmal zurück zum Buch [laughing/breitgrins.gif]
Ist heute gekommen..
Die Autorin spricht in einem Kapitel auch das Thema "unterschiedliche Körpersprache von Frauen und Männern" an. Meine eventuelle, mögliche und potentielle Logopädin will das Thema im Rahmen der Therapie wohl auch behandeln. Ich meine, schon klar, die Geschlechter verhalten sich unterschiedlich. Ich habe mir immer einen dabei abgebrochen "männlich" zu sein, schon allein deshalb, weil es "Mann" von mir erwartet hat.
Ich frage mich gerade, welche Körpersprache ist denn jetzt meine authentische? Ich finde es sehr entspannend, mir im wahrsten Sinne des Wortes keinen mehr "abrenken" zu müssen, aber ist sie dann automatisch fraulich? Zumindest scheine ich eben ohne mir etwas zu überlegen, halbwegs so rüber zukommen...
Schräg...

[confusion/frag.gif]

Conny
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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Svenja » 04.10.2018, 16:34

Cornelia hat geschrieben:
04.10.2018, 11:55
Die Autorin spricht in einem Kapitel auch das Thema "unterschiedliche Körpersprache von Frauen und Männern" an. ...
Ich frage mich gerade, welche Körpersprache ist denn jetzt meine authentische? Ich finde es sehr entspannend, mir im wahrsten Sinne des Wortes keinen mehr "abrenken" zu müssen, aber ist sie dann automatisch fraulich?
Hallo Conny!

Ich denke schon, dass das automatisch so ist. Zumindest hat mir damals die Mitarbeiterin im Bürger(in)büro gesagt, ich würde mich sehr weiblich bewegen und sie staunt, dass ich das so schnell gelernt habe. Ich sagte zu ihr, dass ich das nicht gelernt oder trainiert habe, sondern, dass ich einfach nicht mehr versuchen muss männlich zu sein, keinen Mann mehr geben muss.

Viele Grüße,
Svenja

PS: Wegen der Spontanität in der Stimme: meinen Kehlkopf habe ich dazu überreden können, in einer höheren Position zu sein als früher. Dadurch ist er zum einen fast nicht mehr sichtbar und zum anderen habe ich auch bei spontanen, ungeplanten Lautäußerungen keine tiefe Stimme.
Ich weiß ja nicht wie tief dein Rostkehlchen geht. Meine Stimme war zum Glück nie sehr tief. So bei 110 Hz war sie. Jetzt bin ich bei 160 bis 200 Hz.
Wichtiger als die Tonhöhe ist die Art und Weise, wie Frau spricht. Wir sprechen weicher, ein bisschen gehaucht. Der Satzbau und die Wortwahl ist wichtig. Wir sagen nicht: "Ach du Scheiße!" Sondern: "Oh je, auch das noch!"
Die Männer in meiner Region sprechen eher unsauberen Dialekt, während wir Frauen fast immer Hochdeutsch und sauber artikuliert mit deutlichen S- und Zischlauten sprechen. Männer sind kurz und knapp, sagen zum Beispiel "Tach ooch!" Wir sprechen in ganzen Sätzen "Hallo, guten Tag auch!" wobei wir lächeln. Mit einem Lächeln klingt die Stimme gleich noch weiblicher. Oder Mann sagt: "Na?" und wir würden sagen "Na, wie geht's? Wir haben uns ja schon lange nicht gesehen!".

Das Blubbern mit dem Schlauch mache ich übrigens auch und Vorlesen oder frei sprechen mit einem Korken zwischen den Schneidezähnen.

Ich musste mal lachen, weil mich zwei Transfrauen unabhängig von einander anriefen und sagten, sie würden Svenja sprechen wollen. Sie dachten meine Freundin wäre dran. Sie hatten eine männliche Stimme erwartet. Weiß auch nicht warum. Fand ich ein super Kompliment. :)

Anfangs dachte ich ich würde nie eine vernünftige Stimme hin bekommen. Aber mit ein bisschen gutem Willen und Spaß dabei klappt das schon.

Und meine Logopädin sowie alle anderen, welche sich auf Transpersonen spezialisiert haben, haben auch die Körpersprache im Blick und könnten da gegebenenfalls korrigieren.
Auf keinen Fall unter Druck üben oder sich über zu langsamen Fortschritt ärgern.
Mir hat die Logopädie viel Spaß gemacht. :)
Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher selber welche.
F. W. Bernstein

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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Cornelia » 04.10.2018, 16:58

Naja, ich spreche selbst Dialekt, wenn ich versuche Hochdeutsch zu reden, den Slang kriege ich nicht raus [laughing/breitgrins.gif]. Will ich auch gar nicht...
In der Klinik haben sie mich auch darauf angesprochen, eigentlich überall ausserhalb des Rheinlandes, aber immer positiv! Rheinisch ( es ist nicht alles kölsch) ist für mich die Sprache des Gefühls und Hochdeutsch arbeitet der Verstand.

[greetings/waveyellow.gif]

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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Kelly2 » 04.10.2018, 18:49

Stimmt Svenja,
Bei war das auch irgendwie automatisch.Ich glaub ich habe es schon einmal irgendwo geschrieben.Es war bei mir ganz am Anfang als ich in der Arbeit mit meinem Werkzeugkoffer zum nächste Kunden unterwegs war.Irgendwie legte sich da in mir ein Schalter um ich sakte zusammen und beschloss das ich dieses Leben so nicht weiterführen kann und will.Ab diesen Zeitpunkt war mein Verhalten und Gestik nicht mehr männlich sondern auf einmal feminiem was mir öfters bestätigt wurde.Im Grunde genommen haben wir doch unser ganzes Leben nur einen Mann imitiert,zum Teil richtig gut.Was wir jetzt tun....einfach nur wir sein ohne Schauspielerei [happy/smile.gif]
Liebe Grüße
Franziska

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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Britt » 07.10.2018, 21:48

Svenja hat geschrieben:
04.10.2018, 16:34
Wichtiger als die Tonhöhe ist die Art und Weise, wie Frau spricht.
Das ist nicht ganz richtig.
Für den Alltag muss man mindestens in den unteren Bereich genderneutraalen Bereich gelangen. Für das Telefon in den oberen. Dieser Baustein Macht etwa 40% der Stimme aus (meine Meinung)
Svenja hat geschrieben:
04.10.2018, 16:34
...oder frei sprechen mit einem Korken zwischen den Schneidezähnen.
Die Übung mit dem Korken stammt soweit ich weiß von Estill. Bei LaKru nennt es sich „Kiss & Smile“ Guckt euch Maddin Schneider an. Das soll man üben.

Ich selbst halte nichts von der Korkenübung (Zum Üben kann man auch den Daumen zwischen den Fingern stecken), da ich Praktikerin bin.
ABER sprecht mal ab und zu als wenn ihr einen Korken im Mund habt. Das bringt Dynamik in die Stimme; gerade für das Telefon - man klingt dann weiblicher. (Für Insider : Durch diese Sprechweise habt weniger Taschenfalten und dünnere Stimmlippen)

Ansonsten kann ich nur sagen das deine Stimme super ist (*Glückwunsch*). Ich habe ja sie mal durch das alte Forum gehört.


Beste Grüße,
Britt

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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Monika_S » 27.10.2018, 19:42

Hallo,

bei mir sieht es so aus:
  • Im Gespräch mit Erwachsenen falle ich nicht auf.
  • Manchmal sprechen Kinder meine Stimme an. Wir kommen ins Gespräch und ich sage beispielsweise: „Ich finde meine Stimme auch doof, aber sie ist halt so.“
  • Am Telefon werde ich fast immer als „Herr“ angesprochen. Bei absehbar kurzen Anrufen korrigiere ich das in der Regel nicht.

Logopädie?

Nichts an meinem Auftreten, meinen Bewegungen, usw. ist einstudiert. Ich gehe durch und alles ist einfach so gekommen. Genau deshalb widerstrebt mir eine logopädische Behandlung, in der ich bewusst eine Änderung trainiere.

Inzwischen habe ich die Einstellung: Diesen Makel kann ich mir leisten. Zugegeben, ich habe lange dazu gebraucht. Vorher fühlte ich mich immer ertappt.

Liebe Grüße, Monika

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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Britt » 28.10.2018, 10:47

Monika_S hat geschrieben:
27.10.2018, 19:42
  • Im Gespräch mit Erwachsenen falle ich nicht auf.
  • Manchmal sprechen Kinder meine Stimme an. Wir kommen ins Gespräch und ich sage beispielsweise: „Ich finde meine Stimme auch doof, aber sie ist halt so.“
Nun ja,
die meisten Erwachsen sind so höflich und sagen nichts. Kinder sind hingegen ziemlich direkt, sie sagen was sie denken. Kleinkinder lügen nicht.
Monika_S hat geschrieben:
27.10.2018, 19:42
  • Am Telefon werde ich fast immer als „Herr“ angesprochen. Bei absehbar kurzen Anrufen korrigiere ich das in der Regel nicht.
Ich würde das blöd finden so angesprochen zu werden. Wenn ich ein Anruf bekomme kommt üblicherweise die Frage: Und sie sind Frau.... ?
Monika_S hat geschrieben:
27.10.2018, 19:42
Logopädie?

Nichts an meinem Auftreten, meinen Bewegungen, usw. ist einstudiert. Ich gehe durch und alles ist einfach so gekommen. Genau deshalb widerstrebt mir eine logopädische Behandlung, in der ich bewusst eine Änderung trainiere.

Inzwischen habe ich die Einstellung: Diesen Makel kann ich mir leisten. Zugegeben, ich habe lange dazu gebraucht. Vorher fühlte ich mich immer ertappt.

Liebe Grüße, Monika
Das sehe ich andres. Es gibt neben der Stimme viele Merkmale an denen man uns erkennen kann: breite Schultern, schmaler Hintern, Übergröße, Große Füße und Hände, gewölbte Stirn, breiter Kiefer, fehlende Wangenknochen, große Nase ....
Sicher haben auch cis-Frauen das eine oder andere Merkmal, jedoch nie viele gemeinsam.

Wenn jemand eins dieser Merkmale feststellt und darüber nachdenkt ob es sich um eine Transe handelt, dann sucht er nach weiteren Merkmalen und bildet danach sein Urteil. Es ist wie ein Puzzlespiel.

Hat man nun eine blöde Stimme, dann präsentiert man sofort das erste männliche Merkmal...

In der Logopädie trainiert man sich übrigens keine andere Stimme an. Man lernt nur wie man seinen Sprachapparat unter Kontrolle bringen kann, welche Stellschrauben man hat. Man ändert die Stimme, indem man das eine oder andere täglich in der Praxis anwendet. Im Gehirn bildet sich sozusagen ein anderes Sprachmuster.

Liebe Grüße,
Britt

Monika_S
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Re: Stimme und Transidentität

Beitrag von Monika_S » 28.10.2018, 14:38

Liebe Britt,

vielen Dank für Deine Einwände.

Mehrere der von Dir angeführten Punkte zum Thema „Passing“ sollten wir einmal separat diskutieren. Interessant finde ich vor allem die folgende Frage: Warum haben manche von uns, bei denen der durch die männliche Pubertät entstandene Schaden deutlich erkennbar ist, trotzdem kein Problem mit der gesellschaftlichen Akzeptanz beim Leben als Frau?

Jetzt möchte ich mich konzentrieren auf das eigentliche Thema Logopädie.
Britt hat geschrieben:
28.10.2018, 10:47
In der Logopädie trainiert man sich übrigens keine andere Stimme an. Man lernt nur wie man seinen Sprachapparat unter Kontrolle bringen kann, welche Stellschrauben man hat. Man ändert die Stimme, indem man das eine oder andere täglich in der Praxis anwendet. Im Gehirn bildet sich sozusagen ein anderes Sprachmuster.
Du hast mich überzeugt. Ich sollte meine eigenen Erfahrungen mit Logopädie machen, und ich werde es angehen. Dabei muss es gelingen, dass die folgende Besonderheit berücksichtigt wird.

Ich studierte im Diplomstudiengang Physik mit Nebenfach Mathematik. Im Hauptstudium brach ich ab (TS, Depression). Auf diesen wunden Punkt von mir möchte ich hier im öffentlichen Themenbereich nicht weiter eingehen.

Das Studium hat mein Denken und meine Sprache geprägt. Die Sprache ist mit wenig Satzmelodie, nicht gehaucht, schnörkellos. Mir war damals schon aufgefallen, dass sich alle der wenigen Kommilitoninen an diese männliche Sprechweise angepasst hatten. Man sieht das ja auch an unserer Kanzlerin.

So zu sprechen ist Teil von mir geworden. Ich bin so.

Nochmals herzlichen Dank, liebe Grüße, Monika

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