Frage zu VÄ/PÄ

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Elisa
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Frage zu VÄ/PÄ

Beitrag von Elisa » 10.07.2018, 17:51

Hallo,

ich hätte da mal eine Frage: Meine Psychotherapeutin riet mir beim Erstgespräch direkt die VÄ/PÄ anzugehen. Ich bin dem zwar nicht abgeneigt, doch wundert es mich in so fern, als das ich von Anderen bisher immer nur gehört habe, das diese die VÄ/PÄ erst deutlich später angingen.
Meint ihr es ist sinnvoll der Empfehlung zu folgen und bald schon den Antrag zu stellen oder wäre das eher ein aussichtsloses Unterfangen zum jetztigen Zeitpunkt (prä Indikation, HRT, EPI, OP etc.)? Ich weiß das medizinische Maßnahmen aktuell keine Vorraussetzung mehr sind, aber wie es in der Praxis mit den Gutachtern aussieht ist ja eine andere Geschichte zumal mein Passing noch ziemlich bei 0% liegt.

Liebe Grüße

Elisa
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Re: Frage zu VÄ/PÄ

Beitrag von Martina » 10.07.2018, 17:58

Nun mein Kenntnisstand ist, dass man es zar beantragen kann, aber es doch wohl 1– 1,5 Jahre dauert bis überhaupt ein Gutachten erstellt werden kann.
Die Ärztin kennt dich ja noch nicht.
Ob da der Antrag sinnvoll ist, glaube ich einfach nicht.
Auch die Frage, wie du dich mit ihr verstehst ergibt si h ja auch erst im Laufe der Zeit.

Ich werde Ende des Jahres meine Anträge stellen, nach einem Jahr Psycho Therapie
"Lebe Dein Leben"
...ihr habt nur das eine Leben...geniesst es !

i was looking for a place to be...i found it inside myself

Elisa
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Re: Frage zu VÄ/PÄ

Beitrag von Elisa » 10.07.2018, 18:05

Danke für deine Antwort!
Sie ist keine Psychaterin, sondern nur Psychotherapeutin. Meines Wissens hätte sie mit dem Prozess also nicht weiter zu tun. Die Gutachten kämen ja von unabhängigen Psychatern. Da auch kein Therapiezwang mehr besteht und einzige Vorrausetzung zu sein scheint, das man sich seit mindestens 3Jahren im angestrebten Geschlecht fühlt, scheint es mir theoretisch durchaus möglich und nicht grundsätzlich unsinnvoll.
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Re: Frage zu VÄ/PÄ

Beitrag von Britt » 10.07.2018, 19:44

Elisa hat geschrieben:
10.07.2018, 17:51
Hallo,

ich hätte da mal eine Frage: Meine Psychotherapeutin riet mir beim Erstgespräch direkt die VÄ/PÄ anzugehen. Ich bin dem zwar nicht abgeneigt, doch wundert es mich in so fern, als das ich von Anderen bisher immer nur gehört habe, das diese die VÄ/PÄ erst deutlich später angingen.
Meint ihr es ist sinnvoll der Empfehlung zu folgen und bald schon den Antrag zu stellen oder wäre das eher ein aussichtsloses Unterfangen zum jetztigen Zeitpunkt (prä Indikation, HRT, EPI, OP etc.)? Ich weiß das medizinische Maßnahmen aktuell keine Vorraussetzung mehr sind, aber wie es in der Praxis mit den Gutachtern aussieht ist ja eine andere Geschichte zumal mein Passing noch ziemlich bei 0% liegt.

Liebe Grüße

Elisa
Zum rechtlichen habe ich hier geschrieben:
viewtopic.php?f=16&t=319&start=10

In berlin bekommt man die Gutachten auch relativ einfach.

Ob du die pä/vä machst ist alleine deine Entscheidung

Liebe Grüße,
Britt

Anna Bianca
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Re: Frage zu VÄ/PÄ

Beitrag von Anna Bianca » 10.07.2018, 20:23

Hallo Elisa,

grundsätzlich hat Britt in diesem Fall Recht: Du alleine bestimmst wann Du welchen Schritt gehst !

Wenn alles stimmig ist und sich für Dich gut und richtig anfühlt solltest Du erst über weitere Schrittte nachdenken.
Lass Dich bitte von niemandem drängen Schritte zu machen die sich für Dich nicht richtig anfühlen.
Selbstverständlich kannst Du jederzeit den Antrag auf VÄ/PÄ einreichen, aber dadurch könnte ein Druck entstehen die Transition beschleunigt zu durchlaufen. Laufen passt aber nicht zu den hier praktizierten kleinen Schritten. Ausprobieren und Reflektieren benötigt Zeit um die Du dich dann vielleicht selbst beraubst. Es ist aber immer noch alleine Deine Entscheidung, ich möchte Dir hier nur ein paar Punkte aufzählen die Du in die Überlegungen einbeziehen kannst.

LG, Anna
Wenn die Welt lachend zugrunde geht, warum sollen ausgerechnet wir dann traurig sein ??

Cornelia
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Re: Frage zu VÄ/PÄ

Beitrag von Cornelia » 13.07.2018, 11:04

Hi Elisa,
Jepp, gehe deinen Weg in deinem (!!) Tempo. Ja klar, manches ist zwar nicht mehr vorgeschrieben oder war noch nie wirklich vorgeschrieben (siehe Alltagstest), wird aber ohne Zweifel von vielen Gutachtern gerne gesehen und machen meiner Meinung nach (siehe wieder Alltagstest) auch Sinn. Letztlich sind wir als Betroffene in einer Art von "Ueberzeugungpflicht" den Gutachtern gegenüber und da gibt es eben ganz unterschiedliche Typen. Ich hatte zwei ganz unterschiedliche Exemplare der Gattung. Für den ersten war es locker verdientes Geld und die zweite war umso gruendlicher.

[happy/smileyflower.gif]

Conny

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Re: Frage zu VÄ/PÄ

Beitrag von Solveig » 13.07.2018, 21:12

Hallo Elisa,

ich hatte damals ein Vorgespräch bei einem sehr trans*-erfahrenen Psychologen und Psychiater, der mich letztlich nicht aufnehmen konnte. Der hat mir schon nach einer Stunde signalisiert, dass er für das VÄ/PÄ-Verfahren keine Probleme sah und mich zur Antragstellung ermutigt. Weil das Prozedere ohnehin durchschnittlich etwa neun Monate dauert, kann ein frühzeitiger Antrag sinnvoll sein. Ob und in welcher Reihenfolge körperliche Maßnahmen angegangen werden, ist davon unabhängig.

Liebe Grüße
Solveig
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Re: Frage zu VÄ/PÄ

Beitrag von comitas » 15.07.2018, 14:21

Hallo Elisa!

Da ich erst vor wenigen Monaten selbst die VÄ/PStÄ (nach §§ 1 und 8 TSG) beantragt habe bzw. mein Verfahren sogar bereits kurz vor dem Abschluss steht, will ich zu Deiner gestellten Frage hier spontan ebenfalls eine Antwort beisteuern.

Zunächst bin ich auf den besagten Ratschlag, schon zu diesem frühen Zeitpunkt jene rechtlichen Schritte anzugehen, durchaus selbst auch immer mal wieder auf Internetseiten mit trans*-Bezug gestoßen. Aber von den Theras, mit denen ich im Laufe der Zeit auf meinem Weg zu tun hatte, kam eine Empfehlung in dieser Form nicht und ich selbst halte eine solche auch eher für entbehrlich.

Als Nächstes spricht prinzipiell nichts dagegen, dass Du eine VÄ/PStÄ unter den derzeitigen Voraussetzungen durchbekommen würdest. Eröffnet würde das Verfahren m. E. von Seiten des Gerichts schon allein auf Basis des bloßen Antrags bestimmt werden und dann käme es eben in der Tat darauf an, was die eingeholten Gutachten ergeben.

Ich glaube, fähige Gutachter_innen werden sich in dieser Hinsicht, positiv gesehen, indes gerade eben nicht nur an oberflächlichen Gesichtspunkten wie einem wie auch immer gearteten Passing aufhängen. Oder daran, ob z. B. schon eine HET angegangen wurde oder ähnliches. Obwohl beides freilich als mindestens hilfreich gelten dürfte, um im Rahmen eines Gutachtergesprächs die Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit der gegenständlichen Personenstandangelegenheit zu unterstreichen.

Dazu sollte an dieser Stelle nicht vergessen werden zu berücksichtigen, dass – sofern Du nicht mit dem Erhalt von Verfahrenskostenhilfe planen kannst – so eine VÄ/PStÄ ja bedauerlicherweise eine sehr kostspielige Geschichte ist.

Schlussendlich war für mich persönlich entscheidend, ab welchem Zeitpunkt ich denn den richtigen Zeitpunkt gekommen sah, um meine Papiere zu ändern. Und den sah ich eigentlich konstant seit Beginn meines Weges immer erst gekommen, wenn ich entweder bereits ein Leben als „Vollzeit-Frau“ führe oder der Zeitpunkt bis zu einem solchen – wie es glücklicherweise bei mir derzeit der Fall ist – zumindest klar absehbar ist.

Mit anderen Worten, im Rahmen einer jener „Teilzeit-Frau“-Lösungen zwecks Auslebens der eigenen TI und ohne gravierendere körperliche Angleichungen habe ich für mich einfach keinen großartigen Sinn darin gesehen, dafür schon meine Papiere ändern zu lassen. Während es für mein Empfinden andererseits jedoch gewissermaßen zu vermeiden galt, dass ich am Ende irgendwann aufgrund von Epilation und HET - wunschgemäß - äußerlich selbst ungeschminkt wie eine Frau aussehe und im Pass dennoch der alte Name und Personenstand zu lesen ist. [sad/nein.gif]

Kurzum, Elisa, ob Du den sicherlich gut gemeinten Ratschlag Deiner Therapeutin befolgst oder nicht, solltest Du meiner Meinung nach weniger an den im Moment mutmaßlich geringeren Erfolgschancen in Bezug auf das gerichtliche Verfahren oder der für ein solches üblicherweise veranschlagten Dauer entscheiden. Vielmehr solltest Du vorrangig abwägen, ab welchem Zeitpunkt Du nach Deinen persönlichen Plänen und Bedürfnissen eine amtliche Änderung von Vornamen und Personenstand denn überhaupt (schon) für Dich als sinnvoll erachtest.

Viele Grüße & alles Gute für Deinen weiteren Weg


Deine Sonja (comitas)
'Nature loves diversity, society hates it.'
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