Transsexualität keine psychische Störung

Hier können Meldungen aus den Medien sachlich diskutiert werden.
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Rita
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Transsexualität keine psychische Störung

Beitrag von Rita » 19.06.2018, 21:52

Hallo,

hab das gerade mitgekriegt. Die WHO stellt fest, dass Transsexualität keine psychische Störung ist.

Ich hab das schn immer gewusst.Was haltet ihr davon ?

LG

Rita

Ava
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Re: Transsexualität keine psychische Störung

Beitrag von Ava » 19.06.2018, 22:02

Hi,

was wir immer schon gewusst haben und was auch Psychologen längst anerkannt war, ist nun tatsächlich von der WHO festgestellt worden. So ist es z.B. auf der Webseite der Tagesschau zu lesen. [handgestures/thumbupleft.gif]

Viele Grüße

Ava
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Jan
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Re: Transsexualität keine psychische Störung

Beitrag von Jan » 19.06.2018, 22:09

Guten Abend Rita, Ava,

das ist sicherlich eine gute Nachricht und ein Meilenstein. Solange es in unserer Gesetzgebung nicht umgesetzt ist, müssen wir noch die psychologische Begutachtung auf uns nehmen.

Es zeigt allerdings auch, dass Initiativen wie Gendertreff etwas bewirken. Danke für die gute Aufklärungsarbeit.

Viele Grüße

Jan

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Re: Transsexualität keine psychische Störung

Beitrag von Flora » 19.06.2018, 22:32

Hallo,

das sind tatsächlich gute Neuigkeiten! Zwar wird es noch dauern, bis das Ganze 100% in Kraft tritt (und der Gesetzgeber mitzieht...), aber das ist erstmal ein toller Schritt.
Wie hier zu lesen ist, gibt es allerdings Kritik an der eigens eingeführten Diagnose für präpubertäre Kinder, die von vielen als unnötige Belastung für trans* Kinder wahrgenommen wird, denen dadurch ggf. Diagnoseverfahren aufgezwungen werden könnten.

Die Diskussion lebt also weiter... [laughing/breitgrins.gif]

Liebe Grüße,
Flora

Katarina
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Re: Transsexualität keine psychische Störung

Beitrag von Katarina » 20.06.2018, 08:46

Dazu gibt es in der Zeit heute diesen kurzen Artikel:

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2 ... heit-icd11

Solveig
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Re: Transsexualität keine psychische Störung

Beitrag von Solveig » 20.06.2018, 13:20

Eigentlich ist es ein Wunder biblischen Ausmaßes: Auf einen Schlag sind Millionen von Menschen auf der ganzen Welt nicht mehr krank!

Dennoch muss ich etwas Wasser in den Wein gießen, denn der neue ICD-11 wird nach der offiziellen Übersetzung in die Landessprachen und Beschlussfassung durch die Mitgliedsländer erst 2022 in Kraft treten. Durch die S3-Richtlinien der deutschen Ärzteschaft zu Varianten der Geschlechtsentwicklung beanspruchen die Psychologen/Psychiater nach meinem Verständnis unverändert die Hoheit über die Diagnose einer Geschlechtsdysphorie. Unser Weg wird also höchstwahrscheinlich auch zukünftig erst zum Psychologen führen, bevor es Leistungen zur Geschlechtsangleichung gibt. Es bleibt noch abzuwarten, wie die Krankenkassen bzw. der MDK ihre Richtlinien überarbeiten.

Davon unabhängig ist die seit Jahren immer dringender werdende Neufassung des TSG, die von den Interessenverbänden und jetzt gerade wieder von der Opposition im Bundestag gefordert wird. Aber die Regierung macht bisher keinerlei Anstalten, das Problem in Angriff zu nehmen.

Durch die Entpathologisierung der Homosexualität seitens der WHO im Jahr 1994 hat sich für die Betroffenen viel verändert. Mal sehen, ob der jetzige Schritt für Menschen mit Geschlechtsinkongruenz langfristig ähnlich weitreichende Folgen hat.

Liebe Grüße
Solveig
Ich bin Tunte und Transe - und dazu stehe ich!

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Re: Transsexualität keine psychische Störung

Beitrag von Ava » 20.06.2018, 20:17

Hi,
Solveig hat geschrieben:
20.06.2018, 13:20
Dennoch muss ich etwas Wasser in den Wein gießen, denn der neue ICD-11 wird nach der offiziellen Übersetzung in die Landessprachen und Beschlussfassung durch die Mitgliedsländer erst 2022 in Kraft treten. Durch die S3-Richtlinien der deutschen Ärzteschaft zu Varianten der Geschlechtsentwicklung beanspruchen die Psychologen/Psychiater nach meinem Verständnis unverändert die Hoheit über die Diagnose einer Geschlechtsdysphorie. Unser Weg wird also höchstwahrscheinlich auch zukünftig erst zum Psychologen führen, bevor es Leistungen zur Geschlechtsangleichung gibt. Es bleibt noch abzuwarten, wie die Krankenkassen bzw. der MDK ihre Richtlinien überarbeiten.
nun ja, irgendwer muss eine Diagnose stellen, bevor medizinische Leistungen in Anspruch genommen werden können. Ich sehe das deshalb weniger kritisch:
  • Wir hatten in der Zeit unserer Selbsthilfearbeit zwei (mir bekannte) Fälle, in denen sich herausstellte, dass es sich nicht um Transidentität, sondern um Schizophrenie handelte. Eine Diagnose ist demnach durchaus sinnvoll, um einen völlig falschen Therapieansatz auszuschließen.
  • Vielfach ist das Thema Trans* mit vielen weiteren Problemen verbunden, so dass eine psychologische Begleitung durchaus sinnvoll sein kann. Die mitunter übliche und erforderliche Anzahl von "Pflicht-Therapie-Stunden" ist jedoch kritisch zu hinterfragen. Ich kenne Personen, die haben den Verzicht auf diese Stunden mit der Krankenkasse verhandelt. Andere haben in der Zeit über das Wetter gesprochen, da eh alles klar war und keine Probleme existierten ...
Dass es bin 2022 bis zur Umsetzung dauert, ist natürlich ärgerlich.

Viele Grüße

Ava
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NerkasZwo
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Re: Transsexualität keine psychische Störung

Beitrag von NerkasZwo » 20.06.2018, 22:14

Ich weiß das ist vielleicht extrem unglücklich diese Frage zu stellen... aber warum ist/soll Transidentität keine Krankheit sein?
Es ist etwas falsch mit dem Körper, nämlich er ist vom falschen Geschlecht. Das soll behoben werden, man möchte also gesund werden. Und bezahlen soll die Krankenkasse.
Warum sollte letztere jemand gesundem Geld geben, wenn TI nicht als Krankheit zählt und er sonst keine gesundheitlichen Probleme hat?

Ich möchte nicht eure Freude schmälern, nur versuchen, es nachzuvollziehen.
Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst.

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Re: Transsexualität keine psychische Störung

Beitrag von Leigh » 20.06.2018, 22:26

Hallo Nerkas,

also Krankheit soll es, soweit ich das verstanden habe, aus genau deinen aufgeführten Gründen auch weiterhin zählen. Nur nicht mehr als psychische Krankheit, sondern steht nun im Kapitel "Sexualgesundheit". Es wird also soweit ich es richtig deute als körperliche Erkrankung anerkannt. Wir sind also demnächst alle wieder sane.
Liebe Grüße
Leigh

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Re: Transsexualität keine psychische Störung

Beitrag von NerkasZwo » 20.06.2018, 22:41

Leigh hat geschrieben:
20.06.2018, 22:26
Hallo Nerkas,

also Krankheit soll es, soweit ich das verstanden habe, aus genau deinen aufgeführten Gründen auch weiterhin zählen. Nur nicht mehr als psychische Krankheit, sondern steht nun im Kapitel "Sexualgesundheit". Es wird also soweit ich es richtig deute als körperliche Erkrankung anerkannt. Wir sind also demnächst alle wieder sane.
Ah okay, nun macht das ganze für mich Sinn : )
Da ist es dann auch nachvollziehbar, warum die Freude so groß ist. Vielen Dank!
Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst.

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