Jobsuche als Genderfluid - Versehentlich erfolgreich

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NerkasZwo
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Re: Jobsuche als Genderfluid - Versehentlich erfolgreich

Beitrag von NerkasZwo » 22.11.2018, 23:26

1st lvl Support hab ich auch schonmal für fast ein Jahr gemacht, als ich Zeit zwischen Abi und Ausbildung überbrücken musste. Aber Geschäftskunden durfte ich nicht (eigentlich) 🙈 Nur Privatkunden. War damals technischer Support für Onlinebanking und damit verbundener Software.
Um in den 2nd lvl zu kommen war ich nicht lange genug dabei, hab aber zwischendurch mit denen zusammen gearbeitet weil mir die Fehlersuche unheimlich Spaß macht.


Ich kann da nur von meiner Erfahrung 2016 berichten. Da wurden unheimlich viele Leute gesucht. Auch eingestellt, aber die wenigsten blieben, entweder weil sie nicht wollten oder nicht mit Kunden umgehen konnten (ich hab auch viele Anrufer für Strohdoof gehalten, aber darf man denen halt nicht sagen 🤣). Da ist mir allerdings auch aufgefallen, wie bunt der Kollegenkreis ist. Da sitzt die ehemalige Leiterin einer indischen Näherei neben einem Lottogewinner, der nur einmal den Monat ne Nachtschicht macht damit er sich nicht selbst krankenversichern muss und der Teamleiter ist eigentlich Friseurmeister. Klingt nun nach einer seltsamen Mischung, aber fachlich waren die gut drauf und ein angenehmer Kreis.

Von daher wundert mich nun doch nicht mehr ganz so sehr, dass weder Alter noch Genderfluid ein Problem sind ; )
Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst.

Jenny
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Re: Jobsuche als Genderfluid - Versehentlich erfolgreich

Beitrag von Jenny » 23.11.2018, 08:49

Ich denke das insgesamt in der IT etwas mehr Toleranz ist, als in manch anderen Branchen, allein schon weil selbst Vollblut ITler teils sehr spezielle Typen und Charaktere sind.

Also ich bin im Fachhotlineberich tätig, da ist es noch was anders als in der Kundenhotline (so wie du es gemacht hast). Ich betreue zwar zur Zeit auch noch Banken, aber die Bankenmitarbeiter. Da müssen wir hier schon ne sehr tiefe IT-Ausbildung haben. Weil wir oft auch Netzwerkanalysen und Fehlersuchen durchführen müssen. Bei uns sind alles nur ITler mit min. 15 Jahren IT-Erfahrung.
Die Zukünftigen Jobs (irgendwann werde ich mich wohl entscheiden müssen [laughing/lach.gif] ) sind zwar in ganz anderen Branchen, aber auch so IT-Fachhotlines. Mal sehen wo es mich hin verschlägt.
Das soll aber nicht heißen, dass Kundenhotline einfach ist. Also bitte nicht missverstehen. [happy/smile.gif]
Die Anrufer sind wirklich manchmal "nicht einfach", mir macht es aber irgendwie Spaß. Insbesondere wenn ein anfangs aufgebrachter User zum ende handzahm geworden ist. [laughing/breitgrins.gif]

Zur Zeit ist im Bereich Hotline, egal ob Endkundenhotline oder Fachhotline wirklich viel Los. Es gibt wirklich viele Jobs. Das hatte ich vorher so nicht auf dem Plan, weil ich mich ja auf dem Markt nicht umsehen musste und wollte. Hier wäre ich am liebsten bis zur Rente geblieben. Tolles Team mit super Leuten, tolle Firmenkultur, und interessante Arbeit. Aber leider ist hier ende des Jahres Schluss. Leider.

Hier bin ich bis jetzt auch noch nicht geoutet. Aber ich habe fest vor, das noch zum Abschluss zu machen. Weil mir die Kollegen am Herzen liegen, und es fest geplant ist, in Kontakt zu bleiben und uns halbwegs Regelmäßig zu treffen. (Ich denke das klappt, will wir uns jetzt schon alle paar Monate, auch mit Exkollegen treffen.).
Liebe Grüße
Jenny (Jens)

>> Wenn Dir das Leben Zitronen schenkt, hol Cola und Rum, und mach einen anständigen "Cuba Libre". << :-)

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Re: Jobsuche als Genderfluid - Versehentlich erfolgreich

Beitrag von TimBer » 23.11.2018, 18:22

Ich hab recht lange als 3rd Level-Supporter gearbeitet (Warenwirtschaftssysteme für Buch- und Musikalienhandlungen), habe da aber dann keinen neuen Job mehr gefunden. Nach meiner Erfahrung hat man als Frau da die deultich schlechteren Karten bei der Jobsuche... oder ich bin vielleicht auch einfach kein attraktiver Arbeitnehmer, das könnte natürlich auch sein.
Aber ich find's schon super, wie sich das bei Dir da so entwickelt! [handgestures/thumbupleft.gif]

Jenny
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Re: Jobsuche als Genderfluid - Versehentlich erfolgreich

Beitrag von Jenny » 29.11.2018, 11:35

Hi TimBer,

bis vor einiger Zeit war es tatsächlich auf dem IT-Arbeitsmarkt nicht besonders gut. (Es sei denn man war Programmierer oder SAP-Berater) aber inzwischen hat es sich, zumindest hier in der Region extrem geändert. Es wird gesucht ohne Ende. Und eigentlich in allen Bereichen der IT.

In der Vergangenheit hatte ich selber extrem Probleme bei der Jobsuche. Ich war mal fast ein Jahr Arbeitslos, und in der Zeit nur Absagen bekommen mit der Begründung "zu Alt und zu Teuer". Später war es auch nicht einfacher, und es war einfach nur mehr Glück als Verstand das ich dann Jobs bekommen hab. Daher bin ich es auch jetzt nicht wirklich gewöhnt, dass die Job Suche so positiv läuft.

News an der Jobfront [happy/smile.gif]

Von der einen Firma, wo ich 2 Gespräche hatte, hab ich inzwischen den Vertrag vorliegen und gestern unterschreiben [handgestures/thumbupleft.gif].
Am 2.1. ist dann dort mein erster Arbeitstag. [handgestures/thumbupleft.gif]
Klar, der Vertrag lautet natürlich auf Herr... ist ja auch OK, und richtig. Toll war das Anschreiben von der Personalchefin. Es begann mit "Liebe Jenny," [romance/hearteyes.gif] (Sind ja alle per Du dort).

Aber dennoch hab ich gestern noch das Vorstellungsgespräch bei der Bundesbehörde gehabt (Ich glaub das Vorstellungsgespräche langsam zu meinem Hobby werden... [laughing/lach.gif] ):
Ich dachte mir die Tage, das ich mal mein Business-Outfit etwas erweitern sollte, und war dann am Montag mal beim Lidl. Die haben ja grade so eine Aktion. Dort hab ich mir dann eine rosa Bluse und einen schwarzen Bleistiftrock gekauft. Die Bluse passte nicht so gut, war ein bisschen eng, aber der Rock passte perfekt und passt auch zu dem Blazer.
Also hab ich diesmal anstatt der Hose den Rock angezogen.
Ich musste etwas weiter weg parken, aber ein paar Minuten Fußweg schaden ja nicht. Auf dem Weg viel mir dann auf einmal ein, das ich dir ja dann über das Portal der Behörde die Unterlagen hochgeladen habe, aber: Es war so ziemlich eine der ersten Kontakte und das war ohne Anschreiben. Und in der Ersten Version des Lebenslaufs hatte ich noch nicht die kurze Erklärung das Genderfluid (bzw. ich hatte ja "transgender" geschrieben). Also war nirgendwo ein direkter Hinweis von mir zu meiner Identität. Nur das Bild im Lebenslauf, und die Signatur Jens "Jenny" ...
OK, jetzt ist eh zu spät, also muss ich da jetzt durch, wird schon schief gehen. Ein wenig aufgeregter als sonst war ich ja schon, weil die Reaktion ja doch anders sein könnte... Aber was soll schon passieren...Mehr als blöde
Ich bin dann also dort angekommen, und rein ins Gebäude an den Empfang. Einladungsschreiben und Personalausweis (Muss dort vorgelegt werden ist ja Bundesbehörde) gezeigt. Der Pförtner schaut sich das an, schaut kurz auf seinen Computer und sagt: "Nehmen Sie bitte noch einen Moment Platz Frau ... ich melde Sie eben an. Sie werden dann gleich abgeholt.". Und schon sind die Aufregung und Bedenken verflogen. [happy/smile.gif]
Ein paar Minuten später kommt eine junge Frau vom Personalreferat und holt mich ab, um mich zu dem Vorstellungsgespräch zu bringen.
Auf dem Weg fragt Sie, welche Anrede ich bevorzugen würde. Natürlich sagte ich Ihr, das mir "Frau" lieber wäre... [happy/smile.gif]
So wurde ich dann auch von Ihr vorgestellt, als sie mich dann in dem Besprechungsraum brachte. Es waren 4 Personen (2 Frauen und 2 Männer) und auch die waren wieder positiv. Nach kurzen Vorstellungsrunde, in der ich dann auch meine Identitätssituation kurz erklärt habe ging's an das eigentliche Vorstellungsgespräch. Das hatte es diesmal echt in sich. War auch mit ziemlich tiefgehenden fachlichen Fragen. Fast schon Assessmentcenter. Zum Schluss wurde ich dann wieder mit "Frau..." verabschiedet. Die Frau aus dem Personalreferat hat mich dann noch wieder mit nach draußen begleitet, und als wir im Aufzug waren sagte Sie: "Wenn ich das sagen darf. Steht ihnen gut, was Sie an haben. Ich würde mir wünschen, das mehr Bewerber sich so gut kleiden würden.". [eusa/430.gif] Ich hab Sie, glaub ich, ziemlich ungläubig angesehen und mich bedankt. Ich bin bestimmt knallrot geworden. Aber das hat mich so sehr gefreut.
Wieder einmal durfte ich sehr tolerante Menschen erleben.
Aber irgendwie ist das wie ein Traum. Eigentlich kann das doch nicht immer so positiv verlaufen. Kann mich mal jemand kneifen??? [confusion/kratz.gif] [happy/smile.gif]
Liebe Grüße
Jenny (Jens)

>> Wenn Dir das Leben Zitronen schenkt, hol Cola und Rum, und mach einen anständigen "Cuba Libre". << :-)

Martina
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Re: Jobsuche als Genderfluid - Versehentlich erfolgreich

Beitrag von Martina » 29.11.2018, 11:49

Jenny hat geschrieben:
29.11.2018, 11:35


News an der Jobfront [happy/smile.gif]

Von der einen Firma, wo ich 2 Gespräche hatte, hab ich inzwischen den Vertrag vorliegen und gestern unterschreiben [handgestures/thumbupleft.gif].

Herzlichen Glückwunsch [eusa/clap.gif]
"Lebe Dein Leben"
...ihr habt nur das eine Leben...geniesst es !

i was looking for a place to be...i found it inside myself

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