trans* und Beziehungen (MzF)

Geschichten, Erfahrungen, Outings und Gefühle.
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Flora
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Re: trans* und Beziehungen (MzF)

Beitrag von Flora » 01.02.2019, 20:09

leni123 hat geschrieben:
29.01.2019, 16:57

Ich denke auch, dass es wichtig ist sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Aber der Wunsch nach einer festen Partnerschaft ist trotzdem da und oft fühl ich mich ziemlich allein, wenn ich abends oder am Wochenende nichts vorhabe. Alle meine Freunde sind in Partnerschaften, meine Verwandten usw. - da fühl' ich mich am Ende des Tages halt teils allein und wünsche mir eine Person, die einfach bei mir ist und mir Halt gibt, gerade, weil der Transweg oft so hart ist.
Ich würde auch gerne mal unverbindlich jemanden kennenlernen aber das kann ich erst wenn mein körperlicher Weg auch komplett abgeschlossen ist; momentan kann ich mir das dann einfach nicht vorstellen oder könnte Nähe zulassen.

Wovor ich aber auch große Angst habe ist, mich in jemanden zu verlieben und dem dann meine Geschichte anzuvertrauen. Ich kann mir vorstellen, dass auch wenn die Person dann vorgibt/sagt kein Problem damit zu haben, ich dann trotzdem immer das Gefühl hätte eine Art Defekt/Makel gut machen zu müssen, damit er (cis-Mann) mich als Frau sieht.
Hi Leni,

was du hier schreibst, empfinde ich auch oft so.
Es ist manchmal schwer zu verstehen, dass wir trans Menschen uns so schwer tun mit der Liebe und andere Menschen sich dabei genauso schwer tun mit uns - dabei gehören wir doch zu denen, die wegen unserem außergewöhnlichen Leben über so viel Empathie und Tiefgang verfügen können. Anderer Leute Leben bereichern und eine Person glücklich machen. Aber dann ist man trotzdem allein und die Selbstzweifel kommen. Da hilft nur, sich ständig vor Augen zu führen: Wir sind nicht weniger wert und nicht weniger liebevoll als alle anderen!
Trotzdem wird man eben oft heimgesucht von Zweifeln, wie du sie beschreibst. Ich erwische mich viel zu oft bei Gedanken, die mit "Ich kann nicht..." anfangen. Aber allzu oft gerate ich dann in genau die Situation, von der ich dachte, dass ich sie unmöglich meistern könnte - und dann klappt es auf einmal.
Vielleicht ist es bei dir ja anders, aber ich versuche mittlerweile, diesen Zweifeln nicht allzu viel Raum zu lassen. Bei aller Vorsicht trotzdem neue Situationen zulassen und dann schauen, ob es klappt oder nicht, und sich nicht schon davor von den eigenen Gedanken aufhalten lassen. Das hilft dabei, zumindest von unserer Seite die Probleme kleinzuhalten, die einer Beziehung im Weg stehen.
Das Problem, den*die Richtige*n zu finden, bleibt natürlich. Dass trans Menschen miteinander ausgehen, kommt oft vor und hat den Vorteil, dass man sich gegenseitig gut versteht. Das kann leider auch ein Nachteil sein, je nach Person. Ich glaube aber, dass es auch eine Menge cis Menschen da draußen gibt, die passen können! Mir sind schon einige Männer begegnet, die trans Menschen daten würden oder es tatsächlich tun. Der Anteil bleibt (leider) gering, aber sie existieren! Wie du schon richtig erkannt hast, mach dich nicht verrückt und such dir Situationen, in denen du neue Menschen kennenlernst, die zu dir passen könnten. Ob bei einem trans-Treffen oder bei einem Hobby, das dir Spaß macht.

Sorry für den Roman! [confusion/rollauge.gif]
Liebe Grüße,
Flora

caju
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Re: trans* und Beziehungen (MzF)

Beitrag von caju » 08.06.2019, 16:54

Ich nutze mal diesen Threat und wärme das Thema mal wieder etwas auf.
Bisher waren Beziehungen für mich nur ohne tiefergehende Intimitäten möglich, alles unterhalb des Bauchnabels war bisher tabu.
Meine längste Beziehung hielt bisher 4 Monate, in dieser Zeit habe ich meinem damaligen Partner nur gesagt, dass ich zwischengeschlechtlich geboren bin und bin nicht näher darauf eingegangen, Trans habe ich mich nicht getraut zu sagen.
Jetzt hatte ich dieses Jahr meine OP und könnte mir durchaus vorstellen eine tiefgehendere Beziehung mit jemandem einzugehen.
Würdet ihr eurem Partner eure Vorgeschichte erzählen und wenn ja, wann und wie macht man das am besten bzw. wie habt ihr das gemacht?
Es ist finde ich ein mega schwieriges Thema und moralisch heißes Eisen.
Einfach lächeln und winken, du kannst sie nicht alle töten

Wer mich entführt gibt mich spätestens morgen freiwillig zurück

Doris
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Re: trans* und Beziehungen (MzF)

Beitrag von Doris » 08.06.2019, 22:25

Hallo Caju,

diese Frage ist schwer zu beantworten. Ich hatte vor einiger Zeit einen Mann kennengelernt, der hatte sich unsterblich in eine Frau verliebt.
Es muss wohl eine Superfrau gewesen sein, nach seiner Schilderung. Sie waren einige Zeit zusammen, dann hat sie sich ihm gegenüber als Transfrau geoutet.

Er hat sehr brüsk und ablehnend reagiert. Es gab sofort die Trennung. Wenig später ist ihm aufgegangen, dass er den Fehler seines Lebens begangen hat. Dann begab er sich auf die Suche nach anderen Transfrauen, wohl weil er hoffte, eine vergleichbare Frau zu finden. Ich vermute, er sucht immer noch. Beide haben offenbar sehr gut zueinander gepasst. Vielleicht hätte ein früheres Outing die Beziehung gerettet?

Bei einer SHG habe ich vor zwei Jahren Michi kennengelernt. Sie sieht wunderschön aus und hat alles, was Männer reizt. In ihrem beruflichen Umfeld wird sie öfter angebaggert. Sie hat was Kluges gesagt. Wenn sie eine Beziehung anfängt und glaubt, es wird mehr daraus, würde sie sich mit ihrem Freund in einem Café treffen. Sie würde sich outen und ihm gegenüber sagen, dass es nun seine Entscheidung sei, ob die Beziehung weitergeht. Sie hätte ihm ihre Telefonnummer gegeben. Ruft er nicht an, ist es vorbei.

Es gibt kein Rezept. Mit Mut und viel Gefühl wirst Du es selbst wissen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, Dich zu outen.
Dabei wünsche ich Dir viel Glück!

Liebe Grüße,

Doris
3. Messe & Fachtagung am 6. Oktober 2018

Linde
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Re: trans* und Beziehungen (MzF)

Beitrag von Linde » 09.06.2019, 16:23

Ich bin auch voll der Meinung, dass Offenheit ueber den Werdegang einer Trans Frau angesagt ist, sobald es ernster mit einer Beziehung wird. Speziell bezueglich bei Beziehungen zwischen Frauen und Maenner. Nicht nur it es fair dem Partner zu sagen, dass wir doch ein wenig "anders" gebaut sind, und eventuell Schwangerschaften nicht moeglich sind, aber es is auch wichtig fuer unsere eigene Sicherheit. Wir haben ja durch Estrogen und den Verlust von Testosteron einen grossen Teil unserer Koeperkraft verloren, und daher sind die meisten Maenner erheblich staerker als wir (egal wie stark wir einmal waren), und es gibt genuegend Maenner die ihren Frust mit koerperlicher Gewalt an uns auslassen, wenn sie merken, dass wir nicht so "gebaut" sind, wie sie es erwarteten. In den USA wurden im letzten Jahr 30 Trans Frauen umgebracht, meistens wegen Beziehungsproblemen. Wir wollen ja auf keinen Fall in eine solche Statistik eingehen, und daher finde ich es sehr wichtig, ab einem gewissen Zeitpunkt in einer Beziehung vollkommen offen zu sein.
Das ist generell auch die Meinung der Trans Organisationen in den USA!

Cornelia
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Re: trans* und Beziehungen (MzF)

Beitrag von Cornelia » 11.06.2019, 05:21

Ich sag mal so...
Nö, nicht unbedingt...
Ich bin in aller aller erster Linie nun mal eine Frau!!
Eine Frau, die Frauen liebt, darum hab ich auf die große Lösung verzichtet...ich sehe untenrum genauso aus, wie eine geborene Frau auch.
Jede Frau ist anders. Es gibt keinen Prototypen. Ich habe mich darüber oft mit geborenen Frauen, aufgrund meiner aktuellen persönlichen Situation, unterhalten. Sie haben mir da sehr viel Druck genommen.
Wenn meine Gegenüber es nicht merkt, warum soll ich über etwas sprechen, was für mich im Prinzip keine Bedeutung hat?
Ich habe ein "verräterisches" Tattoo, am linken Unterarm...es zeigt mein Op-Datum und das Venussymbol. Ja klar, kann sein, dass ich darauf angesprochen werde. Ich selbst werde es nicht tun und dann kann ich mir immernoch überlegen, ob und wie ich was erkläre.
Meine Vergangenheit ist vergangen...ich lerne, nicht mehr zurück zuschauen..Sie hat mich geprägt, letztlich positiv und nur darauf kommt es an und das werde ich als ein Teil meiner inneren Werte, in eine zukünftige Beziehung einbringen können..
Deshalb muss ich jedoch noch lange nicht, über meine Vergangenheit reden oder mich "zwangsouten", wenn keine Veranlassung dazu besteht.
Sollte ich darauf angesprochen werden, habe ich jedoch auch kein Problem damit, über sie zu sprechen...sie ist kein Makel oder etwas für das ich mich rechtfertigen müsste.
Krönchen zurechtrücken und weitermachen!
Die Welt der Frauen ist bunt und ich bin eine Farbe davon.

Andi
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Re: trans* und Beziehungen (MzF)

Beitrag von Andi » 11.06.2019, 16:15

Ich drück das mal etwas überspitzt aus, das man als cis Mann auf keinen Fall ... also wirklich NIE... schwul wirken darf. Und mit einer Freundin/Frau die mal ein Mann war und da mal etwas zwischen den beinen hatte/hat. Dann bist du ja sowas von Homo.
[eusa/430.gif]
Ich hoffe, die Ironie ist aufgefallen.
Aber diese Angst davor, da unten etwas zu finden ist bei so vielen noch im Kopf und eben das "früher mal ein Mann" was eben nicht stimmt sondern !immer schon eine Frau! (oder andersrum)

Als hätten sie angst davor, das jemand ihre Sexualität ändert bzw sie in der Öffentlichkeit ihr Gesicht verlieren.

Von Anfang an mit offenen Karten spielen halte ich hier für richtig. Muss nicht beim ersten Treffen sein aber beim zweiten oder dritten.
Sicherlich werden einige auch mal geschockt sein,
aber es gibt ja auch so welche wie mich [laughing/breitgrins.gif] , denen das vollkommen egal ist ob Mann, Frau oder Einhorn.

Gruß Andi
Du wirst dich später mehr über die Sachen ärgern, die du nie ausprobiert hast, als über die gewonnenen Erfahrungen.

Serena
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Re: trans* und Beziehungen (MzF)

Beitrag von Serena » 11.06.2019, 16:56

Ja,
der richtige Zeitpunkt, wann sagt man das in der Geburtsurkunde nicht immer weiblich stand???
Habe da auch verschiedenes versucht. Anfangs erst nach einer gewissen Kennenlernphase, später dann immer früher, da es nach dem Coming Out gegenüber einem möglichen Partner, dann erstmal vorbei war.
Mir fehlte dann später die Energie mich immer wieder mit jemand einzulassen, wo es dann vorbei war nach dem ich mein Coming Out hatte.
Da bin ich dann dazu über gegangen es sofort zu sagen, wer dann das weite gesucht hatte, war nicht der Richtige.

Mein jetziger Freund ist nicht panisch geflüchtet :) .

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