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 Betreff des Beitrags: Hedwig and the Angry Inch - Stellungnahme des Gendertreff
BeitragVerfasst: 23.08.2017, 18:45 
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Hi,

aufgrund einer Interviewanfrage haben wir eine Stellungnahme zum Musical Hedwig and the Angry Inch verfasst.

Viele Grüße

Ava



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 Betreff des Beitrags: Re: Hedwig and the Angry Inch - Stellungnahme des Gendertref
BeitragVerfasst: 23.08.2017, 22:12 
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Aber hallo !!

Eure Richtigstellungen der Transidentität haben ebenso viel Charme wie auch Feuer, einfach nur klasse ausgeführt.
Ich hoffe, daß Eure Botschaft nicht nur einschlägt sondern tief in den Köpfen der Verantwortlichen auch wirkt.

In Euren Ausführungen finde ich mich wieder und kann mich damit auch zu 100% identifizieren.

Solch ein Schmierentheater wie dieses Musical ist reinste Diffamierung gegen die auch ich schon lange ankämpfe.

Herzlichen Dank für Euren Einsatz,

Eure Anna



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 Betreff des Beitrags: Re: Hedwig and the Angry Inch - Stellungnahme des Gendertref
BeitragVerfasst: 25.08.2017, 10:14 
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Eure Stellungnahme läßt nichts zu wünschen übrig, vielen Dank!
Es würde mich nur interessieren, ob es eine Antwort darauf gab - aber wahrscheinlich ja nicht. Wenn die entsprechenden Leute konsequent und stimmig wären, würden sie das Stück und die ganze Produktion in die Tonne treten, und das investierte Geld wäre verloren. Also werden sie es trotz aller Kritik aufführen und alles das in die Welt posaunen, was an Blödsinn und Diffamierung darin steckt, Ist denen doch egal, Hauptsache Kasse machen.


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Hedwig and the Angry Inch - Stellungnahme des Gendertref
BeitragVerfasst: 25.08.2017, 19:56 
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Hi,

Eris hat geschrieben:
Es würde mich nur interessieren, ob es eine Antwort darauf gab - aber wahrscheinlich ja nicht.


doch, die gab es . Sie ist heute eingetroffen:

Zitat:
Sehr geehrte Ava (Name),

vielen Dank für Ihre Mail und den Link zu Ihrer Stellungnahme. Erstmal begrüßen wir es, dass dieses Stück – und das ist auch immer Aufgabe der Kunst und Kultur – Diskussionen anregt und den Austausch fördert. Genau das war auch unser Ziel, als wir mit Ihnen in Kontakt getreten sind – nämlich eine Plattform des Austausches und der Diskussion zu schaffen, Ihnen das Stück vorzustellen und von Ihren Erfahrungen und Ihrer Sichtweise der Thematik in der Konzeption unserer Inszenierung zu profitieren – Genau das ist es ja, was Sie in Ihrer Stellungnahme auch fordern: Die intensive Auseinandersetzung mit Trans-Personen und ihrem Empfinden.

Sie können sich vorstellen, dass wir doch mindestens irritiert waren, als wir statt einer Einladung zur Diskussion nun eine öffentliche Stellungnahme geschickt bekamen, in der dem Musical „Hedwig and the Angry Inch“ (einem besonders auch in der Queer-Community hochgelobten und geschätzten Stück, das man nicht einfach in die Schublade „boulevardeskes Unterhaltungstheater/ Drag-Show“ stecken kann!) und seinem Autor John Cameron Mitchell, für den „Hedwig“ nicht eine unreflektiert zusammengebastelte Auftragsarbeit, sondern viel mehr sein Lebenswerk ist, die Diskriminierung von Trans-Personen vorgeworfen wird. Wenn Sie zu diesem Schluss kommen, bedauern wir das sehr und möchten Ihnen versichern, dass unser Schritt, den Kontakt zu Ihnen zu suchen, nicht die Diskriminierung, sondern einen Dialog zum Ziel hatte, immer noch hat und wir Ihre Reaktion absolut ernst nehmen.

Ich muss aber auch gestehen, dass ich doch etwas verwundert bin, dass als Grundlage für diese Stellungnahme einzig und allein – und augenscheinlich in völliger Unkenntnis des Textbuches und unserer Inszenierung – eine zudem noch sehr fragwürdige Wikipedia-Handlungszusammenfassung genommen wird. Hier hätte ich mir doch gewünscht, dass die Recherche etwas tiefer geht und wir auch mit Ihrer Wahrnehmung und diesem Wikipedia-Artikel konfrontiert würden, bevor eine Stellungnahme voller fragwürdiger Interpretationen veröffentlicht wird.

In Zuge dessen würde ich Ihnen auch gern einen Artikel von Oussama Zahr empfehlen, der viele der von Ihnen angesprochenen Punkte in einer tiefergehenden Reflektion zu „Hedwig and the Angry Inch“ behandelt und uns aus der Seele spricht: http://blog.mediander.com/is-hedwig-and ... ansphobic/

Das Kreativteam und wir als Geschäftsführung nehmen Ihre Bedenken – die offensichtlich einzig und allein auf dem Wikipedia-Artikel aufbauen – dennoch sehr ernst und würden uns freuen, einen Austausch herzustellen statt sich nur gegenseitig mit Stellungnahmen zu konfrontieren.

In diesem Sinne würde ich Sie gern zu einem Besuch unserer Proben oder auf einen Kaffee zu uns einladen, um die Stellungnahme und das Stück selbst konstruktiv zu diskutieren. Über die Chance, die offensichtlichen Missverständnisse auszuräumen oder aber zumindest Ihre Interpretation des Stückes vollständig nachvollziehen zu können, würden wir uns sehr freuen.

Herzliche Grüße,

(Name)
Geschäftsführer


Wir bereiten nun eine Antwort vor.

Viele Grüße

Ava



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 Betreff des Beitrags: Re: Hedwig and the Angry Inch - Stellungnahme des Gendertref
BeitragVerfasst: 28.08.2017, 19:59 
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Hi,

wir haben auf das Schreiben des Theaters eine Antwort verfasst:

Zitat:
Sehr geehrter Herr (Name),

vielen Dank für Ihre Rückmeldung, die wir gerne im Gendertreff-Team diskutieren werden. Ihrer Einladung kann ich leider kurzfristig nicht nachkommen, da ich in Krefeld wohne und aufgrund beruflicher Verpflichtungen nicht kurzfristig einen Termin in Frankfurt disponieren kann. Gerne kann ich Sie aber in den nächsten Tagen dazu anrufen.

Sicherlich kann es sein, dass Ihre Inszenierung von der Beschreibung in der Wikipedia abweicht. Andererseits heißt das Stück ja bereits "Hedwig and the Angry Inch" - und wir haben ja bereits dargelegt, dass das Vorhandensein eines "angry inch" medizinisch nicht der Wirklichkeit entspricht. Zudem ist die Wikipedia auch eine bedeutende Plattform im Internet, die für eine derartige Recherche durchaus geeignet ist, auch wenn sie natürlich nicht einem wissenschaftlichen Zitat stand hält.

Zur "Queer-Community": Ich persönlich rechne mich nicht einer "Community" zugehörig. Ich bin halt transident. Eine "Community" klingt für mich eher so, als könne man sich aussuchen, daran teilzuhaben. Transidentität kann man sich jedoch leider nicht aussuchen. Immerhin: Unter https://gendertreff-forum.de/viewtopic.php?f=25&t=9259 haben über die vier in unserer Stellungnahme zitierten Team-Mitglieder hinaus mittlerweile zwei weitere Personen Stellung bezogen.

Weiter: In der angeblichen "Queer-Community" wird wie in einem hübschen Stabreim alles bunt zusammengewürfelt. Trans*, Homo, Bi usw. - weil es ja so schön bequem ist und gerne auch mal suggeriert, dass wir ja irgendwie alle eh die gleichen Probleme, Empfindungen und Meinungen haben. Dem ist aber nicht so und es ist an der Zeit, dass Trans*-Personen sich ihre eigene Stimme verschaffen. Die angebliche "Queer-Community" ist meist nur eine Art Sprachrohr für Verbände von Homosexuellen. Ohne das herablassend oder unsererseits diskiminierend zu verstehen: Das ist eben doch etwas anderes - eine andere Thematik mit wiederum anderen Problemen.

Selbstverständlich gehen auch wir davon aus, dass Ihre Intention nicht die Diskriminierung von Trans*-Personen ist. Wir gehen aber davon aus, dass der Autor des Stücks offenbar tatsächlich sehr wenig über Transidentität weiß und wir erlauben es uns eben auch, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und offen und ehrlich kundzutun, was wir empfinden, wenn wir mit Darstellungen wie der in der Wikipedia beschriebenen konfrontiert werden. Und ganz offensichtlich empfinden viele Trans*-Personen dies offenbar etwas anders als eine nicht näher definierte "Queer-Community". Wir erlauben es uns, öffentlich zugängliche und sachlich falsche Darstellungen aufzugreifen und entsprechende Stellungnahmen zu veröffentlichen. Vgl. dazu auch https://www.gendertreff.de/2017/01/06/o ... ztekammer/ sowie https://www.gendertreff.de/2016/11/04/o ... redaktion/ oder https://www.gendertreff.de/2014/03/11/r ... ndertreff/.

Auch wir möchten letztlich mit unserer Stellungnahme zum Dialog einladen und diesen auch gerne fortführen. Gerne spreche ich deshalb auch eine Gegeneinladung aus: Auf der Gendertreff Messe und Fachtagung am 07.10.2017 sind auch führende Mediziner auf dem Gebiet der geschlechtsangleichenden Operation vertreten und es wird vier Vorträge zu Operationsmethoden und durchführenden Kliniken geben. Auch der Gendertreff steht auf der eigenen Messe natürlich mit einem Infostand für Austausch und Diskussionen zur Verfügung. Unter https://gendertreff-messe.de/ finden Sie alle relevanten Informationen. Wir sprechen eine herzliche Einladung aus und freuen uns auf Ihren Besuch.


Mit freundlichen Grüßen

Ava (Name)


Viele Grüße

Ava



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 Betreff des Beitrags: Re: Hedwig and the Angry Inch - Stellungnahme des Gendertref
BeitragVerfasst: 28.08.2017, 20:44 
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Hallo Ava,

so treffend wie Du unsere Situation geschildert hast sollte auch dem Autor klar werden dass er sich im Irrtum befindet.
Wie schon öfter erwähnt sehe ich mich weder als Teil der "Queer-Community" noch als der "Regenbogen-Fraktion" zugehörig.
Ich befinde mich einfach im falschen Körper und bin auf dem Weg diesen Fehler so weit wie möglich zu beheben.
Trans*Gender ist für mich der passende Begriff meiner Situation, andere Zuordnungen durch Aussenstehende empfinde ich manchmal als unpassend bis herabwürdigend. Die Beschreibung zu "Hedwig and the Angry Inch" beschreibt eine unrealistische Situation die sehr wohl die Leser eine Kitsch- und Klischee-Aufführung der verachtenden und diffamierenden Art erwarten lässt. Schlecht recherchiert und ebenso schlecht umgesestzt. Komplett am Thema Trans* vorbei.
Alleine das Lesen der Beschreibung erzeugt Unbehagen da ich bisher noch nie in meinem Leben ( ich bin 51 ) von solch einem Pfusch an Patienten/-innen gehört oder gelesen habe. Besonders die jungen Trans*Menschen können durch solch einen perfiden Blödsinn abgeschreckt werden den Weg der Transition zu gehen. Mit diesem Stück werden Jahrzehnte der Aufklärungsarbeit durch z.B. den Gendertreff zunichte gemacht.

Schön dass Du den Dialog mit dem Autoren suchst um diese Mißstände zu beheben. Jede Trans*Person die mit der Wikipedia-Beschreibung konfrontiert wird kann diese auch nur so wie wir verstehen, denn wir haben keinen Einblick in das Manuskript. Ein Aufruf zum Boykott würde mich jetzt nicht ernsthaft überraschen, aber das ist nicht unser Niveau.

Ich wünsche einen ehrlichen Dialog, keine Augenwischerei.

LG, Anna

PS: Der Inhalt dieses Post darf gerne für Deine weitere Argumentation verwendet werden. Anna



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 Betreff des Beitrags: Re: Hedwig and the Angry Inch - Stellungnahme des Gendertref
BeitragVerfasst: 28.08.2017, 22:23 
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Das Musical habe ich in der Schwankhalle in Bremen gesehen.Für mich war die Handlung enttäuschend und ärgerlich. Die Kritik hier finde ich berechtigt.


  
 
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